2. Was ist schlimmer, scheitern oder es nie versucht zu haben?

Diese Challenge habe ich bei Alexandra in den Gedankenflügen gefunden. Ich finde es sehr wichtig über sich selbst und das Leben nachzudenken und so werde ich jetzt jeden Dienstag die von ihr gestellte Frage aufgreifen und meine Gedanken dazu niederschreiben. Ich steige bei Woche zwei ein, da ich die Blogaktion erst gestern gefunden habe. Vielleicht beantworte ich Frage eins irgendwann zwischendurch. Danke Alexandra für das schöne Logo, das ich gerne mitgenommen habe. 

Was ist schlimmer, scheitern oder es nie versucht zu haben?

Für mich ganz klar: Das Scheitern. Wenn ich an etwas herangehe, bin ich meist sehr positiv und gehe davon aus, dass es mir gelingt. (Ob ich herangehe, das steht allerdings auf einem anderen Blatt Papier, denn ich bin eine große Zauderin und alles andere als mutig. Dies ist wohl auch in der Tatsache begründet, dass ich Angst habe, zu scheitern.)

Was ich mache, muss perfekt sein, eigentlich genüge ich mir nie. Gleichzeitig begleitet mich das Gefühl, dass andere Menschen sowieso alles besser können als ich. Also gebe ich mich noch mehr Mühe und stecke meine ganze Kraft in das geplante Projekt. Genügt dies meinen eigenen, manchmal viel zu hoch gesteckten Ansprüchen nicht und ich scheitere, begleitet mich das Gefühl, völlig versagt zu haben und ich falle in ein tiefes Loch.

Dies tut sich allerdings nur dann auf, wenn andere mein Scheitern mitverfolgen. Scheitere ich alleine, beispielsweise weil ein Näh- oder Strickstück nicht so gelingt, wie ich es mir wünschen würde, kann ich damit gut umgehen. Dann halte ich es mit Henry Ford: 

„Scheitern ist einfach nur eine Möglichkeit, es nochmals zu versuchen. Dieses Mal intelligenter.“

Ich trenne auf, schlage neu an und beginne von vorne. 

Das Gefühl, nicht versagen zu dürfen, begleitet mich seit meiner Kindheit. Ich wurde häufig mit anderen Kindern verglichen, die natürlich immer besser waren als ich. Meine schulischen Leistungen waren nie wirklich schlecht, allerdings habe ich nicht gerne gelernt. Meine Noten waren dementsprechend nie gut genug und mein Fleiß sollte durch Vergleiche mit den Kindern der Freunde meiner Eltern angespornt werden. Auch beim Sport, insbesondere beim Ski fahren, der großen Leidenschaft meines Vaters, konnte ich die Erwartungen nicht erfüllen. Ich scheiterte an meiner Angst vor Geschwindigkeit und meinem mangelnden Talent. Mein Mann, Skilehrer, sagt mir immer wieder, dass ich gar nicht so schlecht fahre. Vergeblich, in meinem Kopf bin ich ein Teletubby auf zwei Brettern, das vermeintliche Scheitern begleitet mich bis heute und nimmt mir den Spaß am Wintersport. 

Noch belastender ist das Scheitern meiner Ernährung, beziehungsweise meine Figur. Nun bin ich zwar mollig, aber durchaus bewegungsfreudig und trotz meines (nicht adipösen) Übergewichts gesund. Meine Mutter hat meine Figur jedoch immer mit der anderer verglichen und immer war ich zu dick. Die „dicke“ Sabine durfte kein Nutella essen, keine Pommes kein… was auch immer. Hat es meine Mutter als ich Kind war nur gut gemeint – denn dick war ich damals wirklich nicht – ich weiß es bis heute nicht.

Allerdings werde ich figürlich immer noch mit anderen verglichen und schneide dabei sehr schlecht ab. Es stimmt ja, ich bin rund und die Wechseljahre haben dazu ein Übriges beigetragen. Allerdings wird das bei jedem Besuch und bei vielen Telefonaten thematisiert und ich schaffe es nicht, das Gespräch umzulenken oder nicht darauf einzugehen. „Dein Mann ist so schlank und Du siehst so aus…. Diät täte Dir gut, nimm ab“ führt dazu, dass ich mich für mein Scheitern verteidige. Das hat inzwischen dazu geführt, dass mein Selbstbild „Fett und hässlich“ ist. Dass ich mich gesund ernähre, Sport treibe und dass ich halt einfach zu jenen Menschen gehöre, die Reserven für Notzeiten schneller bilden, das zu akzeptieren, schaffe ich aktuell nicht mehr. Meine Gedankenwelt wird durch ein vermeintliches Scheitern beherrscht, dem Versagen, all den Leckereien zu widerstehen und schlank zu bleiben. Das ging zeitweise so weit, dass ich vermieden habe, unter Menschen zu gehen. 

Aber da es schlimmer ist zu scheitern, hat mich unter anderem obige Frage dazu angeregt, es zu versuchen: Mich zu akzeptieren wie ich eben bin, mit allen Schwächen, die ich habe. Meine Ernährungsumstellung weiter zu verfolgen, denn so gebe ich meinem Körper alles, was er braucht. Scheitern kann ich ja eigentlich nicht, auch wenn es Tage geben wird, an denen es mir nicht gelingt, mich zu mögen, wie ich bin. 

(Ich würde mich freuen, wenn Ihr Euch auch an der Challenge beteiligt und Lust habt, mir in den Kommentaren Eure Gedanken zu diesem Thema mitzuteilen.)